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Klavierzauber in der Vöhlin-Aula

Große Vorfreude herrschte unter den Zuhörern, als die bekannte Pianistin Julia Rinderle am Dienstag einen Klavierabend in der Aula des Vöhlin-Gymnasiums gab. Die weitgereiste Künstlerin, die momentan zwischen dem Mozarteum Salzburg und der Musikhochschule Hannover pendelt, ließ es sich nicht nehmen, an ihrer alten Schule zusätzlich am Vormittag ein Gesprächskonzert mit den 120 Schülern der 10. Jahrgangsstufe zu veranstalten.

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Am Abend eröffnete sie das Konzert mit Mozarts bekanntester Klaviersonate KV 331 in A-Dur. Dem aufmerksamen Zuhörer wurde die Klangwelt Mozarts in feinster Weise dargeboten. Julia Rinderle beherrscht nicht zuletzt durch ihre Beschäftigung mit historischer Aufführungspraxis und historischen Instrumenten ein sicheres Gefühl für die Klangfarben einer Epoche. Der gut gestimmte Flügel des Vöhlin-Gymnasiums verwandelte sich unter ihren Fingern in ein Hammerklavier der Klassik. Einem sehr feinen Pianissimo stand ein stets kontrolliertes Forte gegenüber und so gelang auch der abschließende Satz Rondo "Alla Turca", der die damals populäre Janitscharenmusik imitiert, in klanglicher Klarheit ohne die übliche "derbe" Darbietung des Finales in A-Dur.

Es folgten die beiden Rhapsodien op. 79, in denen die Pianistin die orchestrale Denkweise des Komponisten Johannes Brahms zum Klingen brachte.
Nach der Pause setzte sie das selbstmoderierte Konzert mit einer Auswahl an Rachmaninov Preludes fort. Im bekannten Prelude op 23/Nr. 5 in g-Moll betonte sie nicht wie die meisten Pianisten das Marschartige, sondern hob die tänzerischen Eigenschaften der Komposition hervor und führte das Werk zu einer absolut stimmigen Interpretation.

Anlässlich des Beethovenjahres (250. Geburtstag) krönte sie das Konzert mit der Sonate op. 57 in f-Moll, der sog. "Appassionata". Das technisch diffizile und rasante Finale erntete begeisterten Applaus.

Die Künstlerin beendete das anspruchsvolle Programm nach zwei Zugaben (Liszts Bearbeitungen von Schubertliedern), indem sie charmant lächelnd den Klavierdeckel schloss und die Bühne verließ.

Schon als junge Pianisten während ihrer Schulzeit hatte Julia Rinderle die Fähigkeit in ihren Interpretationen musikgewordene Geschichten zu erzählen. Jede Note ist durchdacht und in einen stimmigen Gesamtkontext gebracht. Niemals erlebt man bei ihr leeres Geplänkel oder pianistische Showeffekte. Selbst technisch schwierigste Passagen werden so souverän ausgeführt, dass der musikalische Sinn- und Ausdrucksgehalt stets im Vordergrund steht. Durch ihre intensive Beschäftigung mit Liedbegleitung und den Werken Franz Schuberts, dem sie ihre jüngste CD-Einspielung widmete, scheint es, als ob das gesangliche Element in ihren Interpretationen noch stärker hervortritt. Das korrespondiert ideal mit ihrer Stärke jedem Instrument die optimale Klanglichkeit abzugewinnen.

 

 

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